Dienstag, 4. Juni 2013

Warum dieses Blog?

Hiermit möchte ich dieses Blog feierlich eröffnen. Im Grunde habe ich schon viel zu viel gepostet, um das zu tun – aber pfeif drauf! 

Auf Der Poet im Algorithmus soll es um die Dichtkunst gehen. Tiefgründige Lyrik, geistreiche Verse, Zeilen voll Weisheit. Aber nicht meine eigenen – sondern die eines viel größeren Denkers. Der sich nur bisweilen etwas schwertut, seine profunden Gedanken schriftlich festzuhalten. Es handelt sich um: Google. 

Jawohl, die Suchmaschine ist es, die sich bisweilen zum Weinen schöne Aphorismen, sinnige Sentenzen und berührende Bonmots ausdenkt. Uns teilt sie diese in einer Form mit, die gemeinhin als „Auto-Complete“-Funktion bekannt ist: Man tippt irgendetwas ins Suchfeld, und schon liefert Google vier Suchvorschläge, die den gesuchten Begriff ergänzen. Das sieht dann in etwa so aus: 


Hier muss das geschulte Auge hängen bleiben. Drängt es sich nicht geradezu auf, diese vier Vorschläge nicht als einzelne, voneinander unabhängige Zeilen zu betrachten, sondern sie als zusammenhängenden Text, ja eben als Gedicht zu lesen?

Es ist was es ist 
Es ist alles eitel 
Es ist noch Suppe da 
Es ist an der Zeit

Man muss es der Suchmaschine zugestehen: Das ist ein vierzeiliges Glanzstück, wie es sich kein menschlicher Autor jemals ersinnen könnte. Voller Tiefgang, feiner Ironie, genau dem richtigen Maß an Zeitkritik, und einem fordernden, aber auch hoffnungsfrohen Schluss. In Zeiten, in denen noch für jeden genug Suppe da ist, aber die Menschen in einer tauben Es-ist-was-es-ist-Mentalität vor sich hin leben, muss gehandelt werden – sonst verharren wir in dekadenter Eitelkeit. Wer möchte da widersprechen?

Weil solche bewegenden Vierzeiler nicht selten einer Google-Suchanfrage entspringen, habe ich mich entschlossen, sie zu sammeln und auf dieser Seite zu konservieren.

Dabei will ich nicht behaupten, dass dieses Blog Pionierarbeit betreibt. Wie die etwa die TAZ schon treffend festgestellt hat, lässt sich die Idee des Google-Gedichts bis ins Jahr 2001 zurückverfolgen. Auch gibt es bereits seit längerem den Tumblr-Blog Google-Poesie, den deutschen Ableger des finnischen Originals. 

Aber mir hat etwas gefehlt. Bisher beschränkten sich die meisten Blogs und Tweets nämlich auf die klassischen Vierzeiler. Ich glaube aber, dass man mit den tiefgründigen Gedanken des Google-Algorithmus mehr anstellen kann. Längere Gedichte mit mehreren Strophen, die irgendwie Sinn ergeben, aber trotzdem den lakonischen Charme der Kurzgedichte behalten. Ich bin selbst noch am herumexperimentieren, wie man der Suchmaschine die großen Weisheiten aus dem Elektronenhirn leiert. Aber genau dafür gibt's schließlich dieses Blog. 

Viel Spaß beim Stöbern!


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

es lebe der Sport
es lebe der Zentralfriedhof
es lebe das Laster
es lebe das heilige Deutschland

Anonym hat gesagt…

warum bin ich so föhlich
warum bin ich single
warum bin ich so müde
warum bin ich so fröhlich chords

meine sprache ist platt meine heimat das watt
meine sprache ist deutsch
meine sprache ist die musik
meine sprache ist platt

wenn ich könnte wie ich wollte
wenn ich könnte wie ich wollte glaub mir ich würde
wenn ich könnte
wenn ich könnte hätte ich auch gott umgebracht

Anonym hat gesagt…

wir wollen lösungen
wir wollen aufstehn aufeinander zugehn
wir wollen alle fröhlich sein
wir wollen die eisbären sehen

wir wollen nicht trauern hieronymus
wir wollen nicht ein stück vom kuchen wir wollen die ganze bäckerei
wir wollen nicht mehr artig sein
wir wollen nicht dass dieser über uns herrsche

nicht mehr verloren
nicht mehr
nicht mehr rauchen
nicht mehr englisch

nie mehr
nie mehr cro
nie mehr ohne dich
nie mehr michael wendler

niemals mehr
niemals mehr oli p video
niemals mehr ohne dich
niemals war mehr anfang als jetzt

nie wieder bohren
nie wieder
nie wieder alkohol
nie wieder keine ahnung

niemals wieder am meer
niemals wieder am meer wow
niemals wieder englisch
niemals wieder

Anonym hat gesagt…

Bin über den Postillion hierher gekommen. Bin Lehrer und werde Ihren Blog sowie die Idee in den Deutschunterricht tragen. Vielen Dank! :)

Michael Wagner hat gesagt…

Das ehrt mich als Ex-Deutsch-LKler sehr! Danke für die Blumen!

Anonym hat gesagt…

Abschied

Es war noch nie so dunkel nie so kalt
Es war noch nie so schwer zu gehen
Es war noch nie so, es war noch nie so schön paradiso
Es war noch nicht das erste mal

Drum geh jetzt geh
Drum geh jetzt geh, da ist die Tür
Drum Gehörschutz
Drum gehen wir morgen erst ins Bett

Und wenn du mich küsst
Und wenn du gehst
Und wenn du dich getröstet hast
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst,
blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Und letzten Endes
Und die Letzten werden die Ersten sein
Und beim letzten Verse stech ich
Und zum letzten mal küss ich meine Jugendliebe.

Anonym hat gesagt…

niemand weiß...
niemand weiß was die Zukunft bringt
niemand weiß was der Tod ist
niemand weiß was hier geschehen

Anonym hat gesagt…

wieso kann ich nicht abnehmen
wieso kann ich nicht glücklich sein
wieso kann ich nicht weinen
wieso kann ich nicht schlafen

Sebastian Wolf hat gesagt…

Beziehungsprobleme

Meine Freundin conni
Meine Freundin ist zu eng
Meine Freundin ritzt sich
Meine Freundin ist hässlich

Meine Freund kommt nicht
Meine Freund ist hässlich
Meine Freund kommt zu schnell
Meine Freund ist schwul

Unsere Beziehung ist langweilig
Unsere Beziehung ist eingeschlafen
Unsere Beziehung ist am Ende
Unsere Beziehung ist kaputt

Mein Lebenspartner ist bereits bei der GEZ gemeldet
Mein Lebenspartner ist gestorben


Anonym hat gesagt…

und wenn jetzt sommer wär
und wenn ich jetzt falle
und ich jetzt falle wer fängt mich dann auf
wer wenn nicht du und wann wenn nicht jetzt